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Triumph für Österreich in Cannes
Mo Mai 25, 2009 4:06 pm von Steolicious
Mit „Das Weiße Band“ gewinnt der österreichische Regisseur Michael Haneke beim 62. Filmfestival in Cannes die Goldene Palme für den Besten Spielfilm, der in London lebende Österreicher Christoph Waltz wird für seine Rolle als NS-Offizier in Quentin Tarantino’s „Inglourious Basterds“ als Bester Schauspieler ausgezeichnet.


Eine innige Umarmung zwischen Jury-Präsidentin Isabelle Huppert und Michael Haneke folgte der Verlautbarung: Die Goldene Palme geht an „Das Weiße Band“. Huppert, die 2001 in Hanekes „Die Klavierspielerin“ in Cannes als Beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, hatte im Vorfeld keinen Hehl daraus gemacht, alles dafür tun zu wollen, ihrem „Lieblingsregisseur“ dieses Jahr die Goldene Palme zu verleihen. Und sie musste sich nicht anstrengen. Denn mit seinem in brillanten Schwarz-Weiß-Bildern (Kamera: Christian Berger) gehaltenen Drama über die Wurzeln von totalitärem Terror war Haneke nicht nur von Kritiker-Seite gelobt worden.

Auch Quentin Tarantino, der heuer mit „Inglourious Basterds“ im Wettbewerb vertreten war und 2004 die Goldene Palme an Michael Moore („Fahrenheit 9/11“) verliehen hatte, sagte dazu: „Die Jury hat es bei den meisten Preisen nicht leicht, es muss viel diskutiert werden. Nur die Goldene Palme fällt nicht schwer zu vergeben: Denn üblicherweise kommt plötzlich ein Film daher, der alles klar macht. Man kann über den Besten Schauspieler diskutieren und das Beste Drehbuch. Aber selten über den Besten Film.“


Haneke erzählt in „Das Weiße Band“ die Geschichte eines protestantischen deutschen Dorfes am Vorabend des Ersten Weltkrieges, in dem strenge Normen und totalitäre Erziehungsmaßnahmen herrschen. Als sporadische Gräueltaten die Bewohner immer mehr in Angst versetzen, wird die Beklemmung durch herrschende Restriktionen, unter denen vor allem die Kinder des Dorfes zu leiden haben, und deren fatale Konsequenz regelrecht auch für den Zuseher spürbar. „Sobald Ideale verabsolutiert werden, werden sie unmenschlich und dienen somit als Basis für jegliche Art von terroristischen Systemen“, sagte Haneke in Cannes.

Die Goldene Palme ist ein später Triumph für Haneke, der seit 1997 (mit „Funny Games“) sechs Mal im Wettbewerb in Cannes vertreten war. Für die „Die Klavierspielerin“ erhielt er 2001 den Großen Preis der Jury sowie 2005 den Regiepreis für „Caché“.

Auch ein weiterer Österreicher begeisterte dieses Jahr in Cannes: Der in London lebenden Christoph Waltz erhielt den Preis als Bester Darsteller für seine geniale Verkörperung des sprachtalentierten NS-Offiziers und „Juden-Jägers“ Hans Landa in Quentin Tarantinos glühender Rachefantasie „Inglourious Bastards“.


Als Beste Darstellerin nahm die Britin Charlotte Gainsbourg ihren Preis entgegen, mit dem die Jury zumindest auf diese Weise den am heftigsten diskutierten Wettbewerbsbeitrag des Festivals würdigte: Lars von Triers „Antichrist“ war von den Kritikern entweder völlig zerrissen oder über alle Maßen gelobt worden; auf jeden Fall brachte er Aufregung in ein Filmprogramm, das eher ruhig (Jane Campions „Bright Star“) und leichtfüßig (Eröffnungsfilm „Up“) begonnen hatte.

Festival-Präsident Thierry Fremaux hatte „den Pessimismus von Heute“ im Visier, als er das diesjährige Programm mit 20 Wettbewerbsbeiträgen gestaltete - und dafür unter anderem Filme über blutige Rache (Johnny To’s „Vengeance“) und Prostituierte zerstückelnde Polizisten ausgewählt. Für letzteren Beitrag erhielt der philippinische Regisseur Brillante Mendoza den Preis für Beste Regie.

Der Preis für das Beste Drehbuch ging an den Chinesen Feng Mei für „Spring Break“ und für sein Lebenswerk wurde der 87-jährige Alain Resnais für „Les Herbes Folles“ mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Der Große Preis der Jury ging an den Franzosen Jacques Audiard für „Un Prophet“, ein Gefängnisdrama über einen 18-Jährigen, der während seiner Haftstrafe zum Erwachsenen reift und wofür Audiard bis zuletzt als großer Favorit auf die Goldene Palme gehandelt worden war.

Die ebenfalls stark favorisierte Britin Andrea Arnold wurde für ihr Working-Class-Drama „Fish Tank“ über eine 15jährige Hip-Hopperin gleich auf mit Park Chan Wook für „Thirst“ mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Die Goldene Kamera für den Besten Erstlingsfilm ging an Warwick Thornton für sein viel gelobtes Aborigines-Drama „Samson and Delilah“.

Im Vorfeld der heutigen finalen Preisverleihung waren übrigens auch die österreichischen Filmemacher Tizza Covi und Rainer Frimmel in der Reihe "Quinzaine des réalisateurs" für ihren Film "La Pivellina" über ein kleines Mädchen, das in Rom ausgesetzt wird, mit "Europa Cinemas Label" ausgezeichnet worden. Der bei den Festivals Cannes, Venedig, Berlin und Karlsbad vergebene Preis unterstützt Kinobetreiber, die diesen Film über längere Zeit im Programm führen. Im Vorjahr hatte Götz Spielmanns "Revanche" in Berlin diesen Preis erhalten.

ALLE PREISTRÄGER AUF EINEN BLICK:


Palme d'Or (Golden Palm): "Das weisse Band" von Michael Haneke (Österreich)

Großer Preis: "A Prophet" von Jacques Audiard (Frankreich)

Jury Preis: "Fish Tank" von Andrea Arnold (England) und "Thirst," von Park Chan-wook (Südkorea)

Spezialpreis: Alain Resnais

Beste Regie: Brillante Mendoza, "Kinatay" (Philippinen)

Bester Schauspieler: Christoph Waltz, "Inglourious Basterds" (USA)

Beste Schauspielerin: Charlotte Gainsbourg, "Antichrist" (Dänemark)

Bestes Drehbuch: Feng Mei, "Spring Fever" (China)

Camera d'Or (Erstlingswerk): "Samson and Delilah" von Warwick Thornton (Australien)

Bester Kurzfilm: "Arena" von Joao Salaviza (Portugal)


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